Was a priori den Unterschied zwischen Exoterik und Esoterik kennzeichnet, ist, dass die Exoterik einen anthropomorphistischen Glauben zum Ausgangspunkt nimmt, verbunden mit einer willensmäßigen, individualistischen und gefühlsbetonten Frömmigkeit, wohingegen der Ausgangspunkt der Esoterik eine intellektuelle Unterscheidung ist, verbunden mit einer Betonung echter und innerer Werte. Wenn wir von Unterscheidung sprechen, meinen wir vor allem die zwischen dem Wirklichen und dem Trügerischen, Âtmâ und Mâyâ, dem Unbedingten und dem Bedingten, dem notwendigen Sein und dem nur möglichen Sein; was einerseits die Vorformung des Bedingten im Unbedingten und andererseits die Ausstrahlung des Unbedingten in das Bedingte hinein, somit alle Stufen und Weisen der Allwirklichkeit, mit einschließt. Die »Vorformung« des Bedingten im Unbedingten ist das schöpferische Sein mit all den Möglichkeiten, die es enthält; und die »Ausstrahlung« des Unbedingten in das Bedingte ist der »Geist Gottes«, die himmlische Welt, der allheitliche Intellekt, der Avatâra, die Offenbarung, ohne den gottförmigen Mikrokosmos, den menschlichen Intellekt, das »auf natürliche Weise übernatürliche« Wunder der intellektuellen Schau zu vergessen, eben das Organ der Sophia perennis…
Frithjof Schuon Archive