Die Liebe zu Gott ist geboten durch die Logik der Dinge: Die Akzidenzien zu lieben heißt, die Substanz zu lieben, unbewusst oder bewusst. Der geistige Mensch kann Dinge oder Geschöpfe lieben, die in sich nicht Gott sind, er kann sie aber nicht ohne Gott lieben und auch nicht außerhalb von ihm; sie bringen ihn so gleichsam auf sakramentale Weise zum Höchsten Gut zurück, während sie selbst nur das sind, was sie sind. »Nicht wegen der Liebe zum Gatten ist einem der Gatte lieb, sondern wegen der Liebe zu Âtmâ, das in ihm ist«: Indem wir unmittelbar ein Geschöpf lieben, lieben wir mittelbar den Schöpfer, notwendigerweise, weil »alles Âtmâ ist«. Der Adel der Liebe besteht seitens des Subjekts darin, das der Liebe würdige Objekt auszuwählen und es ohne Begierde und Herrschsucht zu lieben, wobei man – gleichsam existenziell – das Bewusstsein des himmlischen Urbildes und des göttlichen Wesenskernes hat; was das der Liebe würdige Objekt betrifft, so veredelt es
den, der es liebt, in dem Maße, wie es in Gott geliebt wird. Das Reine, Ursprüngliche und damit menschlich Verpflichtende hat seine Wurzeln im göttlichen Bereich und strebt ipso facto nach seinem göttlichen Ursprung…
Frithjof Schuon Archive