Frithjof Schuon Archive

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German

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Die Frage der Theodizeen

»Gott tut, was er will«: Diese Behauptung des Korans führt leicht zu dem unglücklichen Bild eines mehr oder weniger beliebigen göttlichen Willens, während das angeführte Wort einfach nur bedeutet, dass der Mensch im Allgemeinen von den Beweggründen des göttlichen Willens nichts weiß, besonders was die vielfachen Widersprüche betrifft, von denen die Welt ein Bild abgibt. Den Theologen zufolge »will« Gott die Sünde nicht, weil er sie verbietet, er »will« sie aber, da die Sünde möglich ist und da nichts geschieht, ohne dass Gott es »wollte« oder es sogar »schuf«, sonst müsste man einräumen, so scheint es, dass Gott unfähig sei, das zu verhindern, was er nicht will, quod absit. Der Kern des Problems besteht hier in der Verwechslung von Sein und Über-Sein, oder von ontologischem und Dasein verleihendem Urgrund und der über-ontologischen Wesenheit,1 eine Verwechslung, die deshalb vorkommt, weil die Theologie einerseits Gott anthropomorphistisch versteht, also so, als ob er ein menschliches Subjekt wäre, und weil sie andererseits der ganzen göttlichen Natur Rechnung tragen möchte, was mit dem vorherigen Gesichtspunkt unvereinbar ist.

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